Bisherige Preisträger*innen des Bandes für Mut und Verständigung:

2017

Initiative Aufstehen gegen Rassismus als Kampagne und Berliner Netzwerk, welches Menschen vernetzen und befähigen will, auf unterschiedliche Art und Weise gegen populistische Strömungen aufzutreten (Video)

SG Aufbau Eisenhüttenstadt Abteilung Boxen für die langjährige Arbeit mit Jugendlichen verschiedener Nationalitäten und sozialer Hintergründe und dem Engagement für ein sportliches, friedliches und respektvolles Miteinander (Video)

Axel Jürs aus Berlin für sein 35-jähriges, kreatives und herzliches Engagement im sozialen und interkulturellen Bereich mit dem Ziel eines verständnisvollen und wertschätzenden Zusammenlebens (Video)

Sonderpreisträger_innen für die vielfältige, engagierte, ehrenamtliche Arbeit zur Unterstützung und Integration von Geflüchteten in Berlin und Brandenburg (Video)

Ivonne Eggebrecht aus Potsdam erhält die Auszeichnung in Anerkennung ihrer vielfältigen, engagierten und vorbildhaften Arbeit zur Unterstützung und Integration von Geflüchteten, in und außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung in Potsdam. Sofort nach der Eröffnung der Einrichtung engagierte sie sich bis zu deren Schließung im höchsten Maße, um eine Grundversorgung der Geflüchteten zu gewährleisten. Sie mobilisierte und koordinierte Helfer und Helferinnen, versuchte Brücken zwischen Menschen zu bauen und gilt bei ihren Kolleginnen und Kollegen beim DGB Potsdam als Vorbild. Heute unterstützt sie vor allem eine syrische Familie, für die sie eine Patenschaft übernommen hat.

Marlies Jung-Hagenow aus Joachimsthal erhält die Auszeichnung in Anerkennung ihrer vielfältigen, engagierten Arbeit zur Unterstützung und Integration von jungen Geflüchteten und Familien in Joachimsthal. Als Gewerkschaftssekretärin in Rente legte sie 2015 nicht „die Hände in den Schoß“, sondern wollte Solidarität leben und engagiert sich seitdem in der Betreuung und Unterstützung von geflüchteten Kindern.

Willi Neumann aus Berlin erhält die Auszeichnung in Anerkennung seiner vielfältigen, engagierten Arbeit in der Unterstützung von und für eine Integration sowie gesellschaftliche Teilhabe geflüchteter Menschen in Berlin. Aus seiner christlichen Grundmotivation heraus gründete er 2015 die Initiative „Mariendorfer Christen sagen Willkommen zu Flüchtlingen“ zusammen mit anderen Interessierten. Anfangs lag der Schwerpunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeit vor allem in der Verbesserung der Versorgungslage in der Erstaufnahmeeinrichtung. Heute unterstützt er Geflüchtete bei Behördengängen, Wohnungssuche, Finden von Job- und Ausbildungsmöglichkeiten, sowie mit Sprachkursen bei sich zu Hause.

Roy Schäfer aus Berlin erhält die Auszeichnung in Anerkennung seiner vielfältigen, ausdauernden, engagierten Arbeit zur Unterstützung und Integration von Geflüchteten in Berlin. Sein Engagement begann an den ersten Tagen der Notunterkunft in Marzahn. Neben Bettenbau und Aufbau einer Kleiderkammer organisierte er Sprachkurse und Sportveranstaltung für Geflüchtete. Eine Kollegin aus der Volkssolidarität beschreibt sein ehrenamtliches Engagement als Volltagsjob, welches er neben seiner eigentlichen Anstellung leistet.

2016

Lars Wendland in Anerkennung seines mutigen, kontinuierlichen Engagements zur Überwindung von Vorurteilen und für eine natürliche gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten.

Der Bundespolizist, Kommunalpolitiker und Gewerkschaftsmitglied leistet, trotz erlebten Einschüchterungsversuchen aus dem rechten politischen Spektrum, einen entscheidenden Beitrag zur Integration dreier geflüchteten Familien aus Syrien in Brieskow-Finkenheerd: Er hat sich 2014 für ihre Aufnahme stark gemacht, hat bei der Wohnungssuche geholfen, organisiert regelmäßig Veranstaltungen, wo diese mit Einwohnern in Kontakt kommen, hält Vorträge über die Fluchtthematik bei lokalen und überregionalen Akteuren. Durch seine prägenden Erfahrungen in der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden mit der „Sea Watch“ e.V. im Mittelmeer baute er einerseits ein Vertrauensverhältnis zu den Geflüchteten in seinem Ort auf und schaffte es andererseits Vielen, die sich in so einer Fluchtsituation gar nicht hineindenken können diese Erfahrungen näher zu bringen.

Das Netzwerk Demokratie und Menschlichkeit für ihre vielfältige, engagierte Arbeit zur Integration von Geflüchteten in Zossen und darüber hinaus, im Landkreis Teltow- Fläming.

Das Netzwerk für Demokratie und Menschlichkeit wurde im Oktober 2015 in Zossen gegründet, durch Mitglieder von Parteien, Initiativen, Gemeinden und Kirchen sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Durch die Organisation von Bürgerstammtischen, Sprachkursen, Kulturveranstaltungen, Nähkurse, Marktständen usw. im Landkreis Teltow Fläming suchen sie den Dialog zwischen Bürger und Geflüchteten, so dass gegenseitige Vorbehalte und Berührungsängste verschwinden können. Die Erkenntnisse daraus bringen sie dann durch Lobby und Teilnahme an verschiedenen Gesprächsrunden auf die politische Ebene. Dadurch tragen sie entscheidend zu einer bürgernahen Flüchtlingspolitik bei.

2015

Ute und Siegfried Hillmann in Anerkennung ihres vorbildhaften Engagements gegen Ausgrenzung und für die gesellschaftliche Teilhabe geflüchteter Menschen in Zepernick. Mehrmals pro Woche sind sie vor Ort in dem beschaulichen 20 Personen Heim, bringen Spielsachen für die Kinder, helfen beim Erlernen der deutschen Sprache, begleiten zu Behörden. So bietet das Ehepaar den Bewohner*innen eine vielfältige Unterstützung, die allein durch die Heimleitung unmöglich zu leisten wäre und stärkt mit ihrem positiven Beispiel diejenigen, die noch zögern über wo und wie sie sich engagieren könnten. 

Die Initiative „Farfalla“ für ihr besonderes Engagements gegen Ausgrenzung und Diskriminierung und für die gesellschaftliche Teilhabe von geflüchteten Menschen in Berlin Waßmannsdorf. Die jungen Frauen der Studierendeninitiative besuchen seit 2013 jeden Freitag regelmäßig die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende und bieten künstlerische und sportliche Aktivitäten für die dort lebenden Kinder und zum Teil auch Erwachsenen an. In einer Situation in der zwei Sozialarbeiterinnen die Betreuung von ca. 300 Menschen übernehmen, versucht die Initiative, gemeinsam mit den Bewohnern, das tägliche Leben in der Unterkunft lebenswerter zu machen. Dabei bringen sie die Folgen aktueller gesetzlichen Lagen ans Licht und setzen sich damit auch kritisch auseinander.

Die Initiative „Bunte Zora“ für das herausragende Engagement gegen Rechtsextremismus und rassistische Diskriminierung und für die gesellschaftliche Teilhabe von geflüchteten Menschen in Lauchhammer. In einer Region wo die Reaktion auf die Eröffnung einer neuen Unterkunft für Asylsuchende 2014 auf Ablehnung und Widerstand gestoßen ist suchten die Mitglieder der Initiative stets das persönliche Gespräch, sowohl mit den Flüchtlingen, die sie täglich besuchten und denen sie mit Tipps und tatkräftiger Unterstützung zur Bewältigung des Alltags halfen, sowie mit Anwohner und gesellschaftlichen Akteuren vor Ort. Um Kontakte zu knüpfen, Vorurteile abzubauen und ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, organisiert die Initiative „Bunte Zora“ regelmäßige Aktionen, bei denen geflüchtete Menschen und Anwohner zusammenkommen.

Die Salaam-Schalom-Initiative in Anerkennung ihrer engagierten und kreativen Arbeit für die interreligiöse Verständigung in Berlin-Neukölln und darüber hinaus. Die Mitglieder der interkulturellen Salaam-Schalom-Initiative organisierten seit ihrer Gründung in 2013 regelmäßig Veranstaltungen in Berliner Moscheen und Synagogen, sowie andere Aktionen und Projekte mit dem Ziel den persönlichen Austausch zwischen den muslimischen und jüdischen Gemeinden zu verstärken. Dabei hinterfragen sie auch die Rolle der gesamten Gesellschaft in Auseinandersetzung mit Antisemitismus und dem wachsenden Misstrauen gegen Muslime.

2014

Christiane Schott und die Bürgerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ für ihr engagiertes Eintreten gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz in Berlin Neukölln. Christiane Schott bewies beeindruckend viel Mut und Zivilcourage, in dem sie sich von den Übergriffen der Neonazis auf sie und ihre Familie nicht einschüchtern ließ, sondern stattdessen mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit ging im wahrsten Sinne des Wortes „Gesicht zeigte“. Die Anwohner/innen der Hufeisensiedlung entschieden sich daraufhin bewusst dafür, sich gemeinsam gegen rechte Übergriffe zur Wehr zu setzen und Christiane Schott in ihrem Kampf nicht allein zu lassen. Als Bürgerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ positionieren sie sich seit 2012 gegen die Nazi-Umtriebe in der Gegend und mischen sich konstruktiv in die Diskussion um ein in der Nachbarschaft entstehendes Asylbewerberheim ein, damit sich Szenen wie in Hellersdorf nicht wiederholen.

Netzwerk „Deutschkurse für alle!“ das mit seiner Initiative ein deutliches Zeichen setzt gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen in Not, indem es kostenlose bzw. sehr günstige Deutschkurse für Geflüchtete und Migrant_innen anbietet, denen die Teilnahmen am „regulären“ Kursangebot aufgrund ihres Aufenthaltstitels oder fehlender finanzieller Mittel nicht möglich ist. Mit ihrem hohen ehrenamtlichen Engagement vermitteln die Ehrenamtlichen den Flüchtlingen ein Gefühl von Solidarität und unterstützen sie in ihrem Streben nach Selbständigkeit. Die Kurse leisten einen ganz entscheidenden Beitrag dazu, Isolationen aufzubrechen und eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Michael Kurzwelly der mit der Gründung des Vereins „Słubfurt“ vor 15 Jahren auf kreative Art und Weise einen neuen Raum zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice erschuf, in dem er mit phantasievollen und oft auch radikalen Aktionen immer wieder deutlich macht, dass Deutschland und Polen lediglich konstruierte Wirklichkeiten sind, „die Menschen mithilfe ihrer Sinne und der Kommunikation untereinander erst erschaffen“. Der Verein „Słubfurt“ trägt mit zahlreichen grenzübergreifenden Projekten dazu bei, dass Vorurteile abgebaut werden und die transnationale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen gefördert wird. Die anfangs virtuelle aber zunehmend reale Vereinigung von Frankfurt (Oder) und Słubice zu Słubfurt macht Polen und Deutsche vermutlich schneller zu Mitbürger/innen als es viele offizielle Begegnungsprogramme, die so oft nur leere Hüllen sind, vermögen.

Runder Tisch für Ausländer – gegen Gewalt in Spremberg der sich 1991 nach einem Brandanschlag auf das damalige Asylbewerberheim in Spremberg/Schwarze Pumpe gründete und seitdem dafür sorgt, dass die Stadt ihre Probleme mit einer sehr aktiven rechten Szene nicht mehr ignoriert und unter den Teppich kehrt, sondern stattdessen bewusst damit umgeht. Sie setzten sich dafür ein, dass Asylsuchende in Spremberg Bargeld statt die sogenannte Magazinversorgung und Gutscheine erhalten und unterstützen mit hohem persönlichem Engagement in der Stadt lebende Migrant/innen in vielen Fragen des Alltags, wie z. B. beim Übergang von der Schule ins Berufsleben.

Sonderpreisträger*innen:

Gertrud Wagemann die sich mit ihrer engagierten ehrenamtlichen Arbeit bereits seit vielen Jahren in vielfältigster Weise für den interkulturellen und sozialen Dialog in Berlin und Brandenburg einsetzt. Unter ihren Aktivitäten besonders hervorzuheben sind der aus ihrer Idee und Konzeption heraus entwickelte Interkulturelle Kalender, der seit 1996 erscheint sowie ihr hohes Engagement in der Werkstatt der Religionen und Weltanschauungen.

Literaturclub Campus Efeuweg in dem sich 12-17 jährige Schülerinnen und Schüler aus über zehn verschiedenen Nationen seit mehr als sechs Jahren mit hohem ehrenamtlichem Engagement für die interkulturelle Verständigung in Berlin-Neukölln einsetzen. Regelmäßig lesen sie in ihrer Freizeit in sozialen Einrichtungen vor und organisieren eigenständig Lesungen und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus beschäftigen sie sich im Rahmen von Theaterprojekten auf kreative Art und Weise mit dem Thema Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Gemeinsam mit der Shakespeare Company Berlin probten sie zuletzt das Stück „No Romeo – nix Julia“, um es dann im März unter großer Begeisterung der Zuschauer aufzuführen.

2013

Belziger Forum e. V. 1993 kam es in Bad Belzig zu einem brutalen Überfall von rechten Jugendlichen auf einen Asylbewerber. Er erlitt schwere innerliche Verletzungen, an deren Spätfolgen er acht Jahre später starb. In dieser Zeit geriet die Stadt immer wieder als „Hochburg rechter Gewalt“ in die Schlagzeilen. Rechte Aufmärsche, Übergriffe auf Migrant*innen und andersdenkende Jugendliche waren an der Tagesordnung. 1998 gründete sich der Verein „Belziger Forum“. Er ist Träger des Infocafés „Der Winkel “, das mittlerweile zu einer festen Institution in der Stadt Belzig ist und überregional als beispielgebend für eine gelungene Integrationsarbeit gilt. Für die in Bad Belzig lebenden MigrantInnen ist „Der Winkel“ ein wichtiger Treffpunkt, wo sie Beratung, Begleitung bei Behördengängen und Hilfe bei Übersetzungen erhalten, außerdem können sie hier selbst aktiv werden und ihre Kenntnisse und Erfahrungen einbringen, indem sie gemeinsam Länder- und Kulturabende, Gesprächskreise und Musikveranstaltungen organisieren. Um Vorurteile abzubauen und das gegenseitige Verständnis zu fördern, setzt sich der Verein für eine enge Zusammenarbeit mit den Belziger Schulen ein. Projekte, wie Französisch-Unterricht mit afro-europäischem Themenschwerpunkt, Treffen zwischen Schülern und Flüchtlingen im Infocafé sowie Schulpartnerschaften zwischen Kamerun und Belzig trugen dabei entscheidend dazu bei, über persönliche Kontakte Schwellenängste abzubauen und den Erfahrungshorizont der Schüler positiv zu erweitern.

Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. (BUG) Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, trat 2006 in Deutschland in Kraft. Demnach ist Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft, der Religion, des Geschlechts, des Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Orientierung verboten. Bisher findet das Gesetz allerdings kaum Anwendung, was vor allem daran liegt, dass nur sehr wenige Anwälte sich damit auskennen. Vera Egenberger gründete deshalb 2009 gemeinsam mit anderen Interessierten aus Wissenschaft, Gewerkschaft und Betroffenengruppen das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung (BUG), welches sie ehrenamtlich leitet. Seitdem bietet die Organisation Betroffenen, die sich vor Gericht gegen Diskriminierung zur Wehr setzen wollen, juristischen Beistand an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sogenannten strategischen Klagen, wie z. B. der Fall eines jungen Mannes, dem aufgrund seiner ethnischen Herkunft der Zugang zu einer Diskothek in Reutlingen verwehrt wurde. Aufgrund der geringen Anzahl von Präzedenzfällen gibt es derzeit im Antidiskriminierungsbereich nur wenig Rechtssicherheit. Diese zu stärken, ist eines der Ziele des BUG. Dafür motiviert es Menschen, die sich diskriminiert fühlen, unter dem Motto „Nicht jammern, sondern klagen!“ aktiv aus ihrer Opferrolle auszubrechen und für ihre Rechte einzutreten. Um Diskriminierung jedoch nachhaltig zu beenden oder sogar vorzubeugen, ist des dem BUG neben der Unterstützung bei Klagen außerdem wichtig, politische Entscheidungsträger über Diskriminierungssachverhalte zu informieren und ihnen Bearbeitungs- und Lösungsansätze vorzuschlagen.

SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e. V. An der Schnittstelle zwischen Berlin-Mitte und Wedding gründeten Eltern 2008 den Verein SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e.V., der mit seinen über 2000 Mitgliedern mittlerweile zu den Großvereinen Berlins gehört. Ob Fußball, Aikido, Schwimmen, Volleyball oder Yoga, der sportlichen Betätigung sind hier kaum Grenzen gesetzt. Mit rund 80 Prozent machen Kinder und Jugendliche den Großteil der Vereinsmitglieder aus und ihre Entwicklung ist es, die dem Verein besonders am Herzen liegt. So baute er unter dem Motto „Unser Verein engagiert sich im Stadtteil“ zahlreiche Partnerschaften mit Schulen und Kitas der Umgebung auf. Dort bieten ehrenamtlich tätige Trainer mehrmals pro Woche verschiedene AG´s an. Da an den Schulen häufig ein sehr rauer Umgangston herrschte, führte der Verein das sogenannte „Linguistik Foul“ ein. Demnach müssen Kinder, sobald sie Schimpfwörter verwenden, für zwei Minuten auf die Strafbank. Um ein offenes und faires Miteinander gewährleisten zu können, einigte sich der SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e. V. auf Deutsch als gemeinsame Sprache auf dem Sportplatz. Doch auch wenn untereinander Deutsch gesprochen wird, spielt die kulturelle Vielfalt der Mitglieder eine wichtige Rolle im Vereinsleben. Unter dem Motto „Sport spricht alle Sprachen“ werden so zum Beispiel einzelne Länder im Rahmen der internen Sportveranstaltungen präsentiert.

2012

Aktionsbündnis Cottbuser Aufbruch Ende der 90er Jahre nahm die fremdenfeindliche Stimmung in Cottbus immer mehr zu, es kam vermehrt zu rassistischen Übergriffen. Engagierte Cottbuser/innen organisierten daraufhin Sparziergänge gegen rechts. Tausende machten mit. Um dauerhaft für Offenheit in den Köpfen der Menschen sorgen, wurde 1999 das Aktionsbündnis Cottbuser Aufbruch gegründet, welches mittlerweile ein wichtiger Akteur in der Stadt ist. Das Bündnis versteht sich als Kommunikationsplattform über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg.

Die Neonazis sind auch heute noch aktiv in Cottbus. Die NPD sitzt im Stadtparlament und versucht gemeinsam mit freien Kameradschaften verstärkt, den öffentlichen Raum zu besetzen. Pöbeleien und Bedrohungen gegenüber ausländischen Student/innen und linken Jugendlichen gehören zum Alltag. Und doch hat sich seit der Gründung des Aktionsbündnisses vieles verändert in Cottbus. Bildungsministerin Martina Münch, eines der Gründungsmitglieder spricht von einem „großen Wandel in der Gesellschaft.“ Die Bürger/innen haben ein neues Bewusstsein entwickelt. Für die meisten von ihnen ist es mittlerweile ein Bedürfnis, sich gegen Nazis zu engagieren. Den Versuchen der Rechten, Angst und Unsicherheit in Cottbus zu verbreiten, treten sie immer entschiedener entgegen. Der Cottbuser Aufbruch spielt hier eine wichtige Rolle, indem er alle gesellschaftlichen Kräfte an einen Tisch bringt. Gemeinsam rufen sie zu Demonstrationen auf, veranstalten Kulturprogramme und leisten Aufklärungsarbeit. Dabei gelingt es den Akteur/innen des Cottbuser Aufbruchs immer wieder zu zeigen, dass Cottbus vielfältig und bunt ist und Nazis hier keinen Platz haben.

Tannaz Bidary und Patrick Kizito Hennigsdorf im Landkreis Oberhavel sorgte im Juni 2011 für Schlagzeilen. Der Grund: ein Hungerstreik im Hennigsdorfer Asylbewerberheim - Flüchtlinge boykottierten die ihnen ausgehändigten Wertgutscheine. Sie demonstrierten damit gegen eine menschenunwürdige Praxis, deren einzige Wirkung es ist, Menschen systematisch auszugrenzen und ihnen die gesellschaftliche Teilhabe vorzuenthalten. Dass diese Problematik in Hennigsdorf mittlerweile öffentlich wahrgenommen wird, ist besonders Tannaz Bidary und Patrick Kizito* zu verdanken, die den Protesten Gesicht und Stimme verliehen. Gemeinsam organisierten sie die Veranstaltungen, sorgten für den Zusammenhalt der Flüchtlinge untereinander, stellten Kontakte zur Hennigsdorfer Bevölkerung her und schafften es, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Sie versuchten unermüdlich Brücken zu bauen, um deutlich zu machen, dass es um eine gemeinsame Verbesserung der Gesellschaft geht und nicht um einen Kampf gegeneinander. Ihre eigene unsichere Aufenthaltssituation änderte an diesem Engagement nichts. 

Neben Oberhavel geben kaum noch Landkreise in Brandenburg Gutscheine an Flüchtlinge aus. Den regierenden Landrat interessiert das wenig. Weder die zwei Kreistags-Entscheidungen, noch ein Runderlass des Potsdamer Sozialministeriums zugunsten der Bargeldregelung konnten daran bisher etwas ändern. Stattdessen beruft sich der Landrat auf geltendes Bundesrecht, nachdem Asylbewerbern vorrangig Sachleistungen zu gewähren sind. Das heißt: monatlich 160 Euro pro Person in Form von Gutscheinen, zusätzlich 40 Euro Bargeld. Eingekauft werden kann nur in bestimmten Läden. Dinge, die es dort nicht gibt, wie Fahrscheine für die Bahn oder Schulsachen müssen von den 40 Euro bezahlt werden.

*Tannaz Bidary flüchtete vor fünf Jahren mit ihrem Mann und den zwei Kindern aus dem Iran nach Deutschland. Seit drei Monaten verfügt die Familie über einen vorläufig befristeten Aufenthaltsstatus. Patrick Kizito kam vor zwei Jahren aus Kenia in die Bundesrepublik. Da er hier nur geduldet ist, muss er auch weiterhin mit Wertgutscheinen einkaufen. Er reichte Klage gegen den Landkreis Oberhavel ein.

Bündnis Neukölln / Neuköllner Falken In den letzten Jahren nahmen die propagandistischen und teilweise gewalttätigen Aktivitäten einzelner und organisierter Rechtsextremisten in Berlin Neukölln dramatisch zu. Vor allem in Nord-Neukölln werden seit 2009 immer wieder alternative Projekte zum Ziel von Neonazis. Der Tod von Menschen wird dabei billigend in Kauf genommen. So auch im Juni 2011, als auf das Anton-Schmaus-Haus der Falken in Britz ein Brandanschlag verübt wurde. In den Tagen danach wurden weitere Einrichtungen in Nord-Neukölln beschmiert und angegriffen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, gründete sich im Sommer 2009 das Bündnis Neukölln: Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt. Es versteht sich als Plattform der Information und Aktion gegen Rechtsextremismus und ist ein Zusammenschluss von Organisationen, Unternehmen, privaten und bezirklichen Einrichtungen sowie Einzelpersonen. Gemeinsam mobilisieren sie breite Bevölkerungsschichten, vernetzen Akteur/innen, organisieren Proteste und Sensibilisierungskampagnen und entwickeln öffentliche Aktionsformen gegen rassistische Ideologien. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist dabei von besonderer Bedeutung. Einen entscheidenden Beitrag leistet hier der Kinder- und Jugendverband Neuköllner Falken, der sich seit vielen Jahren unermüdlich für Toleranz und Verständigung einsetzt und dabei großen Mut beweist. Neben der ehrenamtlichen Betreuung von Kindern und Jugendgruppen, führen die Falken zusammen mit Neuköllner Schulen Projekttage für Toleranz und gegen Rassismus durch und organisieren regelmäßig interkulturelle Begegnungen. Immer wieder wurden sie dafür von Rechtsextremisten bedroht und verleumdet. Im Internet wurde offen zur Gewalt gegen sie aufgerufen. Im Juni 2011 erreichten die Bedrohungen eine neue Dimension, die in dieser brutalen Form niemand erwartet hatte: Rechtsextremisten verübten einen verheerenden Brandanschlag auf das Anton-Schmaus-Haus. Es war reiner Zufall, dass in dieser Nacht keine Kindergruppen dort übernachteten. Am 9. November 2011, kurz vor der bevorstehenden Wiedereröffnung folgte der zweite Brandanschlag auf die Einrichtung. Doch die Neuköllner Falken ließen sich auch dadurch nicht unterkriegen. Mit viel Mut und Energie bauten sie ihr Haus wieder auf und setzen im Bündnis Neukölln gemeinsam mit anderen Akteur/innen ihre Arbeit für Demokratie und Toleranz fort.

Sonderpreisträger*innen

Josefine Markarian Josefine Markarian ist Schülerin der Voltaire-Gesamtschule Potsdam. Während ihrer Schulzeit beschäftigte sie sich im Rahmen des Stolpersteinprojektes mit dem Leben der in Potsdam lebenden jüdischen Mitbürger/innen. Im Ergebnis der Recherche Potsdamer Schüler/innen konnten in Potsdam bisher 22 Stolpersteine verlegt werden. Die Schicksale Potsdamer Einwohner beschäftigten Josefine Markarian auch weiterhin. Neben dem Kontakt, den sie zu den Nachfahren hält, bietet sie seit Herbst 2011 unter dem Titel „Geschichten von Potsdams verlorenen Nachbarn“ Führungen zu den Potsdamer Stolpersteinen an und erzählt dabei die Lebensgeschichte ehemaliger jüdischer Nachbarn. An allererster Stelle stehen dabei die Würdigung und das Gedenken der Schicksale. Josefine Markarian möchte mit den Führungen Verständnis wecken für diese Menschen und die vielen Ängste und Qualen, die sie durchleiden mussten. Anhand von Einzelschicksalen soll die Zeit des Nationalismus so vor den Augen der Teilnehmer/innen wieder lebendig werden. Die Führungen finden mitterlweile auch über die Grenzen Potsdams hinaus große Beachtung. Es kommen immer mehr Anfragen von Interessent/innen, darunter auch Schülergruppen aus Israel. Als eine weitere Offerte werden die Führungen jetzt auch im Zusammenhang mit der Ausstellung „Synagogen im Land Brandenburg – Eine Spurensuche“ in Zusammenarbeit mit dem Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte durchgeführt.

Jugendband „Hightek Music“ Die Band besteht aus vier Schülern zwischen 20-21 Jahren des Oranienburger Georg-Mendheim OSZ, die sich mit ihrer Musik seit zwei Jahren aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus und für Demokratie und Integration einsetzen. Im Jahr 2010 haben sie mit Hilfe des OSZ, dem LK Oberhavel, der Nordbahn Gemeinden mit Courage, der Amadeu-Antonio-Stiftung und dem Land Brandenburg eine CD produziert, die den Erhalt und Ausbau demokratischer Strukturen unterstützt und sich gegen Rassismus und politische Unterdrückung ausspricht. Die zehn Songs haben sie selbst komponiert. Die CD diente dem guten Zweck und wurde kostenlos an Berliner und Brandenburger Oberschulen verteilt. Bei einem Konzert im Rathaus Birkenwerder stellten die vier Schüler ihre CD erstmals vor, anwesend war dabei auch Udo Voigt von der NPD. Wenige Tage später bekamen zwei der Schüler unbekannte Drohanrufe aus der rechten Szene. Der Vorfall spitzte sich soweit zu, dass ihnen Polizeischutz angeraten wurde. Davon ließen sie sich jedoch nicht einschüchtern und gaben weiterhin Konzerte. Die Aufklärung der jungen Generation sehen die vier Musiker als eines ihrer wichtigsten Ziele an.

2011

Ursula Nikitenko ist in Bernau bei Berlin als Brückenbauerin zwischen der einheimischen und der zugewanderten russischsprachigen Bevölkerung sehr bekannt. Die diplomierte, vereidigte Dolmetscherin, die 21 Jahre lang in der damaligen Sowjetunion lebte, spricht fließend russisch. Für viele Zuwanderer, die in den vergangenen Jahren aus Russland und den russischsprachigen Nachbarländern in die Bundesrepublik kamen, stellt die Sprache oft ein wirkliches Integrationshindernis dar, weshalb Frau Nikitenko sie regelmäßig im Bernauer Stadtteilzentrum Süd oder von zu Hause aus bei Übersetzungsproblemen, u. a. bei Arzt- oder Ämterterminen unterstützt. Ein besonderes Anliegen ist ihr, dass die Zuwanderer in Bernau heimisch werden, wobei sie interkulturellen Aktivitäten eine besondere Bedeutung beimisst. So setzt sie sich als aktives Mitglied des Niedernbarnimer Kulturbundes e.V. mit unermüdlicher Energie für die Einbeziehung der russischsprachigen Zuwanderer ein. Geschätzt wird Frau Nikitenko auch im Bernauer Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, in dem sie sich ebenfalls für ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Einheimischen und Zugewanderten engagiert.

Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ Am 1. September 2007, den Weltfriedenstag, planten Neonazis eine Demonstration durch Neuruppin. Viele Einwohner/innen der Stadt wollten das nicht einfach hinnehmen, weshalb sie das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ gründeten und innerhalb kürzester Zeit über 1000 Menschen zu einer Gegendemonstration mobilisierten. Seit nunmehr fast vier Jahren tritt das Aktionsbündnis, zu dem rund 20 Personen im Alter von 17 bis 70 Jahren gehören, mit verschiedenen Aktivitäten für Demokratie und Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Neofaschismus ein. Die Mitglieder kommen aus Parteien, der kirchlichen Jugend – und Gemeindearbeit, dem autonomen Jugendwohnprojekt „Mittendrin“ oder sind als Einzelpersonen in dem Aktionsbündnis vertreten. Mit ihren Aktivitäten wollen sie u. a. erreichen, dass die Vielfalt im Gemeinwesen erhalten bleibt, öffentliche Aktionen von Rechtsextremisten verhindert werden und die Erinnerungen an die Verbrechen der Nazizeit nicht verloren gehen. Sie sorgen dafür, dass sensible Daten im Jahreslauf nicht mehr von den Rechten, sondern mit antifaschistischen, demokratischen Aktivitäten besetzt werden.

Dirk Stegemann liegt besonders die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte am Herzen. Vor vier Jahren sorgte er deshalb dafür, dass der „Zug der Erinnerung“, mit dem auf die Schicksale der Kinder, die von der Deutschen Reichsbahn in Vernichtungslager deportiert worden, auch auf Berliner Bahnhöfen haltmachte. Die Ausstellung im Jahr 2007 besuchten über 50.000 Menschen, es kam zu teilweise sehr bewegenden Momenten.

Der Erfolg dieser Aktion bestärkte Dirk Stegemann in dem Gedanken, dass geschichtliche Aufarbeitung auch wichtig ist, um gegen heutige Ausgrenzungstendenzen vorzugehen. Das ehemalige Arbeitshaus für „Asoziale“ in Rummelsburg ist für ihn deshalb ein besonderer Ort des Gedenkens. Sogenannte „Asoziale“ wurden hier während der Nazizeit gemeinsam mit Sinti und Roma, Homosexuellen und Juden untergebracht und zur Arbeit gezwungen. Da diese Gruppe bis heute kaum in der deutschen Erinnerungsarbeit vorkommt, setzt sich Dirk Stegemann gemeinsam mit anderen Einzelpersonen und Initiativen mit hohem Engagement dafür ein, dass hier ein würdiges Gedenken an diese Menschen möglich wird. Aus der Geschichte lernen, um aktuelle Entwicklungen zu verstehen, heißt auch, sich mit der Zunahme des Rechtspopulismus in ganz Europa, welcher spätestens mit der Gründung von „Pro Deutschland“ und der aufkommenden Islamismusdebatte auch in der Bundesrepublik an Bedeutung gewann, auseinanderzusetzen. Im Mai 2009 gründete Dirk Stegemann aus diesem Grund zusammen mit verschiedenen Initiativen, Migrantenselbstorganisationen, Gewerkschaften und Einzelpersonen das Berliner Bündnis „Rechtspopulismus stoppen!“, das sich zum Ziel gesetzt hat, über die wirklichen Ziele und Inhalte rechtspopulistischer Parteien und Organisationen aufzuklären und gegen deren Aktivitäten in Berlin zu mobilisieren.

Sonderpreisträger*innen

ASV-Moabit Basketball Club Der ASV-Moabit Basketball Club existiert seit Januar 2010 und bietet über die sportlichen Erfolge hinaus im Bereich der interkulturellen Jugendarbeit und Gewaltprävention überdurchschnittliches Engagement auf. In Moabit, dem Vereinssitz, sind die sozialen Verhältnisse oftmals von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt, wovon besonders Kinder und Jugendliche betroffen sind. Gewalt dient hier häufig als Mittel der Wahl, um Konflikte zu lösen. An dieser Stelle setzt der Basketball-Club an und versucht, seinen jungen Mitgliedern über den Vereinssport und seine sozialen Kontakte eine Alternative aufzuzeigen und nach innen und außen klare Maßstäbe zu setzen. Der Verein zählt 170 Mitglieder aus 50 verschiedenen Nationen. Entscheidend sind neben Teamgeist und Fairness, dass ethnische und religiöse Fragen bezüglich des Umgangs miteinander keine Rolle spielen. Seit 2010 laufen parallel zu den sportlichen Aktivitäten Projektreihen, die diese Haltung verdeutlichen: z. B. „Gib Gewalt einen Korb“. Für 2011 plant der ASV-Moabit Basketball Club die Projektreihe „ASV goes history“. Der gesellschaftlichen Verantwortung der Jugendlichen bewusst, hat der Verein sich entschlossen, mit den Jugendlichen Orte besonders historischer Relevanz, wie z. B. die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen.

2010

Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung Wittstock geriet zwischen 1999 und 2001 mehrfach in die Schlagzeilen. Ein Dönerimbiss brannte, Geschäfte von Vietnamesen wurden zum Ziel von Anschlägen und schließlich wurden auch Menschen angegriffen. Eines der Opfer erlag seinen schweren Verletzungen. Im Jahr 2001 gründete sich daraufhin das „Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung“, welches bis heute durch zahlreiche Aktionen und stetiges Wirken auf sich aufmerksam macht.  Eingebunden in dem Bündnis sind zahlreiche Bürger der Kleinstadt, aber auch viele Organisationen und Institutionen, wie z. B. die Wittstocker Polizeiwache und der Leiter des Truppenübungsplatzes Kulmühle. Ihr Ziel ist es, jegliche Aktivität von Rechtsgesinnten in der Stadt Wittstock zu verhindern, sei es durch gezielte Gegenaktionen oder durch Störungen auf ganz legitime Art. Ein Beispiel hierfür ist die „KEHRAUS“-Aktion des letzten Jahres, als 100 Bürgerinnen und Bürger mit Besen ausgerüstet den Marktplatz von braunem Müll reinigten, nachdem die rechtsextreme Szene einen Aufmarsch zu Ehren Rudolf Heß angekündigt hatte.

FC Internationale Berlin 1980 e.V. Gegründet vor 30 Jahren, stellt der Verein FC Internationale Berlin heute die meisten Teams in Tempelhof-Schöneberg. Spielerinnen und Spieler aus 38 verschiedenen Nationen und aus allen Altersgruppen trainieren hier zusammen. Die Trainer sind alle ehrenamtlich tätig und auch die Spieler erhalten kein Geld. Sportlich gesehen ist der Verein längst im oberen Berliner Drittel angekommen, Tendenz steigend. Neben dem sportlichen existierte von Anfang an das politische und soziale Engagement des Vereins. So traten die Spieler immer wieder für Frieden und Toleranz sowie gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt ein. Anstelle von Werbung spielen die Teams mit dem Aufdruck NO RACISM auf den Trikots. Gegenseitiger Respekt und Verständigung sind wichtige Themen der Vereinsarbeit. 

Der Name FC Internationale ist hier Programm, wobei sich der Verein insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit durch sein hohes Engagement auszeichnet. Im Laufe der letzten acht Jahre wurden Kooperationen mit sechs Schulen aufgebaut, 2003 wurde der Verein zum Integrationsstützpunkt. Dem Verein ist es ein besonderes Anliegen, Normalität zu vermitteln. „Berlin ist eine multikulturelle Stadt und genau das wollen wir widerspiegeln.“

Potsdamer Integrations- und Schulgarten am Schlaatz Vor 10 Jahren gründeten MigrantInnen mit Unterstützung des Brandenburgischen Kulturbundes unter dem Motto „Wurzeln schlagen in der Fremde“ den Integrations- und Schulgarten am Schlaatz. Das 3000 qm große ehemalige Schulgartengelände wurde seitdem von seinen mittlerweile circa 40 Mitgliedern in ein kleines Paradies mitten in der Stadt verwandelt. Sie sind, wie sie selber sagen, eine „bunte Truppe“. Familien aus 13 verschiedenen Nationen, u. a. aus Litauen, Ungarn, Rumänien, Russland, Kosovo, Afrika und natürlich Deutschland verfügen hier über ihr eigenes kleines Stück Land, auf dem sie ein Stück Heimat pflanzten. 

Mit dem Potsdamer Integrations- und Schulgarten ist für die Menschen ein Ort entstanden, wo immer jemand da ist, mit dem man seine Sorgen und Freuden teilen kann. Zusätzlich ist der Garten ein „Schulzimmer für die deutsche Sprache“, ein Ort, an dem sich Deutsch eingängiger vermittelt als auf der Schulbank. Für die Schüler der benachbarten Grundschule sind die interkulturellen Gärtner wiederum Lehrende, unter deren Anleitung sie lernen, wie man sät, pflanzt und erntet. Gleichzeitig erfahren sie ein Stück über die Heimat der Gärtner. In den letzten drei Jahren ist der Garten mehrfach das Ziel von Brandanschlägen und Vandalismus geworden. Beim letzten Mal hinterließen die Täter Hakenkreuzschmierereien, gefasst wurden sie nie.

Sonderpreisträger*innen

Initiative gegen Rechts Friedrichshain Die Initiative gegen Rechts Friedrichshain gründete sich im Jahr 2006, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass laut polizeilicher Statistik die häufigsten Übergriffe mit rechtsextremen Hintergrund in Friedrichshain stattfanden. Seitdem engagiert sich die Initiative in vielfältiger Weise für ein tolerantes und offenes Zusammenleben und gegen Rassismus und rechte Gewalt in ihrem Bezirk. Sie führt u. a. das Register zur Erfassung rassistisch, antisemitisch und rechtsextrem motivierter Vorfälle in Friedrichshain in Zusammenarbeit der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr) und der Opferberatungsstelle „ReachOut“. Im Sommer 2009 machte die Initiative mit einer kreativen Containeraktion mobil gegen die Eröffnung eines „Thor Steinar“ -Ladens in Friedrichshain, indem sie einen „Infocontainer für Vielfalt und Demokratie“ in einer Parkbucht direkt vor dem Laden platzierte. Sie initiierte außerdem zahlreiche Veranstaltungen und Vernetzungsrunden, in denen z. B. Gewerbetreibende über Möglichkeiten des demokratischen Engagements informiert wurden (Broschüre „Service-Wüste für Nazis - Eine Handreichung für Gewerbetreibende.“ wurde erarbeitet, inkl. Aufkleber für Fensterscheiben und Türen des Gewerbes).

Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ Die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ gründete sich im Januar 2009 mit dem Ziel, rechtsextremen und antisemitischen Tendenzen in der Stadt Zossen und den Aktivitäten der Freien Kräfte Teltow Fläming in der Region zu begegnen. Im März 2009 initiierte die Bürgerinitiative ein großes Familienfest für Toleranz, an dem mehr als 700 Menschen aus der Region teilnahmen. Danach wurde das Projekt „Haus der Demokratie“ in Angriff genommen, welches von September 2009 bis Januar 2010 zahlreichen Bildungsprojekten und sozialen Initiativen ein Dach über dem Kopf sowie eine geistige Heimat bot. Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurde das Haus von Unbekannten verwüstet. Durch ihre Kampagnen gegen Neonazis erhielten die Mitglieder des Bürgerbündnisses mehrfach Morddrohungen. Im Januar dieses Jahres wurde das „Haus der Demokratie“ Ziel eines Brandanschlages, wobei es vollständig niedergebrannt wurde. Obwohl erst vor einem Jahr gegründet, hat die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, trotz mangelnder Unterstützung von Seiten der Stadtpolitik, bereits einiges bewegen können. Das „Haus der Demokratie“ in Zossen soll wieder aufgebaut werden, seit dem Brandanschlag gingen zahlreiche Spenden von Initiativen und Privatleuten ein. Das Engagement der über fünfzig Ehrenamtlichen ist gelebte Demokratie und steht für ein Bürgerengagement wie es für eine Gesellschaft wichtig ist.

2009

Bewohnertreff „KaffeeKlatsch e.V.“ Bewohnerinnen der Wohnanlage Pallassstraße / Potsdamer Straße betreiben seit sieben Jahren ehrenamtlich den Treffpunkt „KaffeeKlatsch e.V.“ und leisten damit einen großen Beitrag zur positiven Veränderung eines ehemaligen sozialen Brennpunktes Berlins. Allein durch ihre Präsenz konnte das Sicherheitsgefühl in dem Quartier erheblich gesteigert werden, wodurch sich auch die Mieter wieder wohler fühlten. Neben dem täglichen Cafébetrieb organisieren die Frauen des „KaffeeKlatsch“ regelmäßige Deutsch-, Näh- und Handarbeitskurse, aber auch Grillabende, Trödelmärkte und Feste.

Sandra Caspers lebt seit 10 Jahren mit ihrer Familie in Pankow Heinersdorf, das erstmalig vor drei Jahren aufgrund eines geplanten Moscheebaus und der Reaktion der Anwohner darauf in die Schlagzeilen geriet. So gingen die Moscheegegner sehr aggressiv vor und scheuten sich auch nicht, die Unterstützung der Rechten, wie NPD und Republikaner, anzunehmen. Frau Caspers gründete daraufhin gemeinsam mit anderen die Initiative „Heinersdorf öffne dich“, die mit einer öffentlichen Plakataktion, Informationsständen, Dialogangeboten und Workshops trotz persönlicher Angriffe ein positives Zeichen FÜR Heinersdorf setzte. Kurze Zeit später initiierte Sandra Caspers eine Zukunftswerkstatt, im Nov. 2007 dann eine dreitägige Zukunftskonferenz für den Ort. Deren wichtigstes Ergebnis war die Gründung eines Bürgervereins, in dem Frau Caspers Vorstandsvorsitzende ist. Seitdem setzt sie sich mit all ihrer Energie, die ihr neben Beruf und Familie noch bleibt, für die Gestaltung Heinersdorfs und einen vernünftigen Umgang miteinander ein.

F.E.T.E. - Jugendbündnis „Für ein tolerantes Eberswalde“ gründete sich im Oktober 2007. Eine alternative Gegenkultur im politischen und kulturellen Raum sollte aufgebaut und andere Jugendliche, die häufig eher unpolitisch und schwer zu mobilisieren sind, gewonnen werden. Dafür machte F.E.T.E. Aufrufe an Eberswalder Schulen, veranstaltete Videoabende zum Thema Rechtsextremismus mit anschließender Diskussion und organisierte im Vorfeld der Kommunalwahlen Diskussionsrunden mit Kandidaten verschiedener Parteien zu jugendpolitischen Themen. 2008 veranstalteten sie die 1. „F.E.T.E. – Fete“, ein Festival mit Konzerten und Workshops, das sich an die Jugend in Eberswalde und Umgebung richtete. Die circa 12 Mitglieder des Jugendbündnisses treffen sich regelmäßig, tauschen sich über die Aktivitäten und Entwicklungen der Rechten aus und planen neue Aktionen.

Sonderpreisträger*innen

Hennigsdorfer Ausländerbeirat wurde 1998 gegründet. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die aus vier verschiedenen Nationen kommen. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Vertretung der Interessen der Migranten auf der kommunalen Ebene sowie die Förderung eines gleichberechtigten Miteinanders von Einheimischen und Zuwanderern. Mittlerweile gilt der Ausländerbeirat der Stadt Hennigsdorf als das Bindeglied zwischen der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung und hat durch vielzählige Projekte, Initiativen und Maßnahmen (u. a. Aufbau eines Nachbarschaftstreffs, internationales Fußballturnier, interkulturelles Weihnachtsfest) entscheidend zu einer toleranten Atmosphäre in der Stadt beigetragen.

Die Templiner Jugendinitiative und Pfarrer Ralf-Günter Schein Templin geriet 2008 durch den von zwei Neonazis verübten Mord an einem Obdachlosen bundesweit in die Schlagzeilen. Während der Bürgermeister Templins nach der Tat feststellte, die Stadt habe kein Problem mit Rechtsextremismus, wendete sich Pfarrer Ralf-Günter Schein ganz klar gegen eine solche Verdrängung des Problem, wofür er teilweise deutliche Kritik aus Gemeinde, Bevölkerung und Stadtpolitik erfuhr. Die drei Jugendlichen Justus Blümel, Patrick Telligmann und Caroline Daun gründeten die „Templiner Jugendinitiative“ und organisierten im September 2008 ein Demokratiefest auf dem Marktplatz der Stadt unter dem Motto „Demokratie stärken – Rechtsextremismus abwehren“, welches in diesem Jahr zum 2. Mal stattfinden wird.

2008

Margrit Puls ist seit 1994 als Sozialpädagogin im Jugend- und Migrationsdienst Perleberg tätig und hilft jungen MigrantInnen in Deutschland anzukommen, ihr Leben zu planen und zu organisieren. Sie macht das hauptberuflich, doch nach Feierabend hört ihre Arbeit nicht einfach auf. Frau Puls gilt in Perleberg als eine Person, die sich durch ein hohes persönliches Engagement für die Verständigung zwischen der zugewanderten und der einheimischen Bevölkerung auszeichnet. So bereitet sie Veranstaltungen mit deutschen und ausländischen BürgerInnen, wie z.B. die „Interkulturelle Woche“ vor und ist aktiv an deren Durchführung beteiligt. Sie hilft beim Aufbau von Netzwerken und sucht ständig den Kontakt zu anderen Organisationen, um den MigrantInnen und AussiedlerInnen noch besser und gezielter helfen zu können.

Helga Thomé arbeitet bei der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark in dem Projekt „Kinderrechte“, setzt sich jedoch nicht nur im Rahmen ihrer Arbeit für die Rechte anderer ein, auch privat beweist sie Mut und Zivilcourage, wenn jemand in Not ist und ihre Hilfe braucht. So auch am 3. Dezember 2007, als sie bei einem Angriff von vier Männern aus der rechten Szene auf einen Punk dazwischen ging und die Polizei rief, woraufhin die Täter flüchteten. Später konnten sie gefasst und mittlerweile verurteilt werden. Auch über diese Tat hinaus, ist Fr. Thomé in Eberswalde bekannt für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus. So war sie 1998 eines der Gründungsmitglieder des Eberswalder „Netzwerkes gegen Rechts“.

Helga Boehrer lebt seit 20 Jahren in Berlin-Neukölln. Ebenso lange arbeitet sie als Lehrerin an zwei Grundschulen mit mehr als 90% Kindern aus Migrantenfamilien, wo sie hauptsächlich Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Seit 16 Jahren bildet sie außerdem Lehrkräfte in DaZ-Sprachförderung und interkultureller Pädagogik fort.Mit sehr viel Energie und Ausdauer setzt sie sich weit über ihre berufliche Tätigkeit hinaus für ihre Schüler, aber auch für völlig fremde Kinder ein, wenn ihre Hilfe gefordert wird. Vor vier Jahren gründete sie mit über 102 Einzelpersonen und verschiedenen Organisationen die Bürgerstiftung Neukölln, in der sie sehr aktiv mitwirkt. Dazu zählt auch die mühsame, ehrenamtliche Organisation einer interkulturellen Jugendbegegnung mit der Partnerstadt Leonberg in Baden-Württemberg, wo sie Neuköllner Jugendliche aus sechs verschiedenen Schulen für eine Woche zu schwäbischen Gastfamilien brachte.

Sonderpreisträger*innen

Netzwerk für lebendige Demokratie Oberhavel wurde im August 2007 gegründet, setzt sich aus mehreren Initiativen, Foren, Kommunen, evangelischen Kirchenkreisen, Parteien, Einzelpersonen  sowie der Kreisverwaltung Oberhavel zusammen, wird unterstützt vom „Handlungskonzept Tolerantes Brandenburg“ und vom LK Oberhavel. Die Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, Wahlerfolge von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen bei der Kommunalwahl im September 2008 zu verhindern sowie langfristig demokratisches Bewusstsein und Verhalten in der Bevölkerung zu fördern. Dafür wurde ein Aktionsplan erstellt und vielfältige Projekte, wie z.B. ein Schülerzeitungsseminar und ein Internetworkshop ausgearbeitet.

Hans-Rainer Harney ist pensionierter Pfarrer der Stadt Schwedt, war drei Jahre lang als ehrenamtlicher Ausländerbeauftragter der Stadt tätig und ist Mitbegründer des seit vier Jahren bestehenden Schwedter Bündnisses gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt. Er ist sehr engagiert, wenn es um die Planung und Organisation der verschiedenen Aktionen des Bündnisses geht. Im Fokus steht dabei die Zusammenarbeit mit Jugendlichen, die direkt an den Schulen stattfindet. Ein neues Ziel ist das verstärkte Einbeziehen der Eltern. Hr. Harney hielt aus diesem Grund mehrmals Vorträge vor Unternehmen, in denen er über die neuen Strategien von Neonazis aufzuklären versuchte.

Serge Marie Kemmo lebt seit vier Jahren als Asylsuchender im LK Barnim. Er engagiert sich bei Projekten und Begegnungen von zugewanderten und einheimischen Menschen, lässt sich in Kinder- und Jugendgruppen einladen und beteiligt sich seit drei Jahren an Projekten der evangelischen Jugendarbeit. Er möchte damit erreichen, dass die jungen Menschen hier mehr über das Leben in seiner Heimat erfahren, aber auch über die Bedingungen, unter denen er hier in Deutschland lebt. Gemeinsam mit der evangelischen Jugendarbeit engagiert er sich verstärkt gegen die Residenzpflicht für Asylbewerber.

2007

Wera Quoß ist Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Hennigsdorfer Ratschlag“, mit der sie sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und für die interkulturelle Verständigung zwischen der einheimischen Bevölkerung Hennigsdorfs und den dort lebenden Asylbewerbern/innen einsetzt. Des Weiteren tut sie, was in ihren Möglichkeiten steht, um die Lebenssituation der Migranten/innen zu verbessern und engagiert sich dabei besonders für die Kinder des Asylbewerberheimes, für die sie u.a. regelmäßige Ferienlager organisiert.

Brigade 1240 ein Zusammenschluss verschiedenster junger Menschen aus Fürstenwalde; gründete sich im Jahr 2003 mit dem Ziel, in ihrem Landkreis etwas gegen die Verarmung der alternativen Jugendkultur zu tun und sich rechten Strömungen entgegenzusetzen. Sie gründeten den Subkulturverband für Ostbrandenburg „Bunte Subkultur“, mit dem sie zahlreiche Veranstaltungen organisierten. Im Januar 2007 gründete sich aus dem Kontext der Brigade 1240 die Anlaufstelle für Opfer rechter Gewalt (AOG), die Opfer von Übergriffen z.B. zur Polizei begleitet, Anwaltkontakte vermittelt sowie bei Gerichtsverhandlungen unterstützt.

Kazim Erdogan engagiert sich seit vielen Jahren für die interkulturelle Verständigung in seinem Heimatbezirk Berlin-Neukölln. Er gründete die „Initiative für ein noch besseres Neukölln“, in der türkische, arabische und deutsche AkademikerInnen sozialschwache Migranten/inen in verschiedenen Bereichen unterstützten. Des Weiteren organisierte er 2006 die „Woche der Sprache und des Lesens in Neukölln“, die mit großem Erfolg stattfand. Hr. Erdogan versteht sich auch als Brückenbauer zwischen seinem Heimatdorf in der Türkei und seinen ehemaligen Bewohnern, die mittlerweile überall auf der Welt verteilt leben. So sendet er jeden Abend eine Radiosendung live über das Internet, um diese Menschen ein Stück weit zusammenzubringen.

Sonderpreisträger*innen

Christa Schröder die, um einen aktiven Beitrag gegen die fremdenfeindliche Stimmung in ihrem Ort nach dem Umzug des Asylbewerberheims nach Bornstedt zu leisten, 2002 in Potsdam-Bornstedt den Singkreis „Taizé“ gründete. In diesem treffen sich regelmäßig (ehemalige) BewohnerInnen des Heimes sowie Deutsche, um gemeinsam zu singen und Kontakte aufzubauen. Außerdem unterstützt Fr. Schröder die AsylbewerberInnen, indem sie über das Kirchenblatt der Ev. Kirchengemeinden Potsdam Nord die Bevölkerung um materielle und finanzielle Spenden bittet. Auf diesem Wege organisierte sie Näh- und Waschmaschinen, Kinderbekleidung, Fahrräder sowie Gelder für Anwaltskosten, Medikamente und gemeinsame Ausflüge.

Claudia Fortunato 13. Jahrgangsstufe am Gymnasium auf den Seelower Höhen, initiierte mit Unterstützung von zwei Mitstreitern im Mai 2006 das „Konzert gegen Rechts“. Aufgrund des großen Erfolgs wird die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder stattfinden. Im November letzten Jahres stellte Claudia Fortunato innerhalb von drei Tagen, gemeinsam mit ihren Unterstützern, in Seelow den „Tag der Demokraten“ auf die Beine. Diese Aktion, ein Straßenfest mit Konzerten und Redebeiträgen sowie Straßenblockaden durch die BürgerInnen, war die Antwort auf die Verlegung des Naziaufmarsches von Halbe nach Seelow.

Lothar Priewe der sich seit vielen Jahren im Landkreis Uckermark gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit engagiert, wobei sein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Jugendlichen liegt. Er arbeitet im Arbeitskreis des Integrationsbeauftragten des LK Uckermark und ist darüber im aktiven Kontakt mit Schulen, aber auch Kitas, wo er Veranstaltungen und Begegnungen organisiert sowie Jugendliche dabei unterstützt, sich gegen Rechts zu engagieren.

2006

Hatun Inçe engagiert sich seit Jahren in Projekten und Gremien für eine Kultur der Verständigung, steht außerdem anderen Flüchtlingen als Beraterin und Dolmetscherin zur Verfügung, wirkt aktiv im Ausländerbeirat des Landkreises Barnim, im Netzwerk Integration Bernau, in der Flüchtlingsberatung, bei Nachbarschaftsprojekten sowie bei Projekten der evangelischen Jugendarbeit mit.

Ludwigsfelder Frauenstammtisch e.V. vernetzt seit 1991 soziale Projekte und integriert in seine umfangreiche Frauenarbeit ganz selbstverständlich Migrantinnen und Aussiedlerinnen. Die Mitglieder organisieren zusammen mit anderen Projekten jedes Jahr eine „Interkulturelle Woche“, eine „Interkulturelle Weihnachts- bzw. Jahresabschlussfeier“ sowie das „Brückenfest“, den multikulturellen Höhepunkt in Ludwigsfelde.

JeP e.V. – Jugend engagiert in Potsdam ein Verein, dessen Ziel es ist, rechte Gewalt in Potsdam und Umgebung sichtbar zu machen, Opfern rechter Gewalt zu helfen (z.B. durch Prozessbegleitung) sowie Jugendliche über den Themenkomplex „Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Zivilcourage“ aufzuklären.

Sonderpreisträger*innen

Anti-Rassismus-AG der Reinhardswald-Grundschule 26 SchülerInnen, die sich aktiv für eine „Schule ohne Rassismus“ (SOR) einsetzen. Sie drehten zu diesem Thema auch einen Kurzfilm mit ARA-Berlin.

Sebastian Serafin 13. Jahrgangsstufe im OSZ 1 Cottbus, wo er Foren gegen Rechts organisiert, ein Israel-Projekt betreibt und Initiator des Cottbuser Projektes „Stolpersteine“ ist. Außerdem engagiert er sich in der Jugendgruppe des „Cottbuser Aufbruchs“, einem Zusammenschluss von Bürgern und Parteien gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Cottbus.

Steve Kenner 13. Jahrgangsstufe am Gymnasium Werder, initiierte als Schülersprecher im November 2005 den „Aktionstag gegen rechte Gewalt“ am o.g. Gymnasium, der zu einem Höhepunkt im Schulleben wurde. Steve Kenner arbeitet außerdem im örtlichen ehrenamtlichen Bündnis „KURAGE“ mit.

2005

AG Senegal des Gymnasiums auf den Seelower Höhen wurde im September 2003 gegründet, schloss einen Partnerschaftsvertrag mit dem Gymnasium Lycee Moderne de Rufisque im Senegal. Im März 2004 Besuch einer achtköpfigen Delegation des Partnergymnasiums aus dem Senegal in Brandenburg.

Nicole Lüdeking und Jana Böttner griffen ein, als zwei Männer einen Kenianer, der dabei mit einer Glasscherbe am Hals schwer verletzt wurde, und seinen Landsmann in der Nacht vom 18. 07.04 in Brandenburg an der Havel attackierten. Versuchten verbal auf die beiden Männer schlichtend einzuwirken, als dies nichts nützte, riefen sie die Polizei.

2004

Gerda Backhaus hatte die Polizei und den Krankenwagen gerufen, als sie erkannte, dass eine Horde rechtsradikaler Jugendlichen Kajrat Batesov und seinen ebenfalls russisch stämmigen Freund vor ihrer Türe schwerst misshandelten. Der 24 Jahre alte Kajrat Batesov wurde erschlagen. Gerda und Hans-Werner Backhaus hielten es für selbstverständlich, dass sie im Prozess aussagten.

Horst Martin setzte sich in einer vollbesetzten Straßenbahn dafür ein, dass Menschen dunkler Hautfarbe unbehelligt bleiben müssen und wurde selbst zusammengeschlagen. Der Fahrer hielt trotz Aufforderung die Straßenbahn nicht an; weder schützten die anderen Fahrgäste Horst Martin noch stellten sie sich der Polizei zur Verfügung. Nach drastischen Aufrufen in der Presse gelang es, die Täter zu finden.

Editha Kindzorra engagiert sich seit Jahren gegen nazistische und fremdenfeindliche Tendenzen in Pankow. Viele Flüchtlingen und ehemalige Vertragsarbeiter nahm sie zunächst in ihrer Wohnung auf und vermittelte sie dann an Bekannte. Mitbegründerin der Bürgerinitiative 15 e.V. und Bürgerhaus e.V., sie ist in verschiedenen Netzwerken gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aktiv.

2003

Michael Kelm setzte sich am Abend des 17.7.2002 in der Straßenbahn für bedrängte Personen ein und wurde dabei selbst zum Opfer.

Till Buchwald der Berliner Schüler wurde im Oktober 2000 Zeuge eines Überfalls von zwei Rechtsextremen auf einen Russlanddeutschen und wurde wegen seiner Zeugenaussage im Prozess drangsaliert und verprügelt.

Stephan Neidert wird für den Verein „Piraten e.V. – gegen Rassismus für Integration durch Toleranz“ ausgezeichnet. Im April 1998 hatten sich in Spremberg rund 20 Jugendliche zusammengefunden, um sich inhaltlich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu positionieren. Seitdem gab es viele Aktivitäten, u.a. zur Betreuung von Opfern rechtsextremer Gewalt und Lesungen zur Geschichte der Juden und der Sinti und Roma.

2002

Matthias Dix und Thomas Härtel wurden Zeugen eines Angriffs von vier deutschen Jugendlichen auf zwei Afrikaner. Sie gingen dazwischen, woraufhin Thomas Härtel selbst angegriffen und verletzt wurde. Dank ihrer Zeugenaussage konnten die Täter kurze Zeit später festgenommen werden.

Pfarrer Olaf Schmidt Mitbegründer des „Flüchtlingshilfskreises Seelow“, welcher sich für die Verbesserung der Lebenssituation der im Landkreis Märkisch Oderland untergebrachten AsylbewerberInnen einsetzt. Zu den weiteren Anliegen der Initiativgruppe gehörten: die Aufklärung der BürgerInnen in der Region zu ausländerpolitischen Fragen, die Unterstützung von Asylbewerberlnnen durch politische Aktionen und die Einzelfallunterstützung.

Florian Dieckmann Mitbegründer der Gruppe "jetztWIR-Jugend.Macht.Politik" und Mitglied des "Spandauer Bündnisses gegen Rechts“. Versucht besonders dem Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft entgegen zu wirken.

2001

Annett Noack Mitbegründerin des Internationalen Jugendvereins Gubin Guben e.V., den sie seit dem letzten Jahr als Vorsitzende leitet. Sagte im sogenannten Hetzjagdprozess von Guben aus. In der Nacht der Menschenjagd auf Farid Guendoul war sie mit einem afrodeutschen Bekannten unterwegs zu einem Jugendclub. Als zwei Autos neben ihnen hielten und die Insassen ihren Begleiter und sie bedrohten, merkte Annett Noack sich die Nummernschilder. So war sie später in der Lage gegen die Jugendlichen auszusagen, die sich in derselben Nacht an der Jagd auf Farid Guendoul beteiligten. Dieser verlor dabei sein Leben.

Erdmute Orthmann setzt sich seit etwa 20 Jahren überwiegend ehrenamtlich für Menschen nichtdeutscher Herkunft ein, insbesondere für Flüchtlinge. Vor 10 Jahren gründete sie das "Café Paula" für ausländische Frauen in Zehlendorf. Ein weiterer Schwerpunkt ist ihr Bestreben, die Lebenssituation von Kindern in Flüchtlingsheimen zu verbessern.

Katja Wolff und Lutz Wolff Katja Wolff arbeitet ehrenamtlich für die Evangelische Kirche, organisiert dort Kultur- und Sozialveranstaltungen. Lutz Wolff, der in Gramzow einen Sportverein betreut, ist bemüht Kinder aus Asylbewerberfamilien einzubeziehen, indem er sie unter anderem auf eigene Kosten zum Training abholt und wieder zurück fährt. Er hat diese Kinder bereits mehrmals vor den Bedrohungen rechtsradikaler Jugendlicher beschützt.

Rainer Maischein  ist Lehrer am Oberlin-Seminar der ev. Landeskirche Berlin-Brandenburg. Mit seinen Schülerinnen und Schülern initiiert er Projekte und Begegnungen, deren Ziel es ist, den Bezug zu Flüchtlingen, Asylbewerbern und Migranten herzustellen. Rainer Maischein begreift seine Schule als ein Forum, in dem alle Religionen und Kulturen miteinander in Diskussion treten können.

2000

Rainer Wunschansky ehrenamtlicher kirchlicher Mitarbeiter aus Eisenhüttenstadt, langjähriges ehrenamtliches Engagement gegen Rassismus und für Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen, hoher Einsatz beim Aufbau des Begegnungszentrums "Arche" in Eisenhüttenstadt und der Betreuung ausländischer Asylbewerber und Flüchtlinge .

Irina und Marco Ehlert Ehepaar aus Potsdam, für beherztes und couragiertes Eingreifen in der Potsdamer Straßenbahn, als ein junger Asylbewerber aus Sierra Leone von zwei deutschen Rechtsradikalen beleidigt und bedroht wurde

Otmar Kagerer Steinmetz aus Berlin, für seinen schnellen und vorbildlichen Einsatz gemeinsam mit acht weiteren Steinmetzbetrieben zur kostenlosen Widerherstellung der im November 1999 auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee geschändeten Grabsteine und seinen Mut, trotz zahlreicher antisemitischer Bedrohungen und einem Anschlag auf seine Werkstatt, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern das Werk zu vollenden.

1999

Andrea Goldberg Zugbegleiterin der DB, engagiertes Verhalten bei einem Überfall auf einen russischen Jugendlichen

Olaf Neumann, Stefan Kuntzagk, Andre Neumann, Steffen Rossius und Robert Peyko Jugendliche aus Templin (Brandenburg), unterstützten zwei griechische Bürger gegen einen fremdenfeindlichen Angriff

"Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt" Initiative von Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Pfarrern in Oranienburg (Brandenburg), ehrenamtliches Engagement, z.B. Ausstellung zum Thema "Flucht" auf dem Antirassismustag

1998

Ina Berndt und Hans-Jürgen Heese Zugbegleiterin und Lokführer der DB, engagiertes Verhalten nach einem Überfall auf einen jungen Afrikaner im Zug Berlin-Belzig

Arne Jaitner Student aus Berlin, half einem ausländischen jungen Mann in der Abwehr einer Bedrohung durch Jugendliche in Potsdam

Bernhard Wengerek Vorsitzender eines deutsch-polnischen Fußballfanclubs in Frankfurt(Oder), ehrenamtliche Jugendarbeit gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt

1997

Irmela Adusei-Pokuu, (Schramm) Übermalungsaktionen von ausländerfeindlichen Schmierereien

Georg John Bürgermeister von Trebbin (Brandenburg), ein Überfall auf italienische Bauarbeiter in Trebbin war der Anlass für antirassistische Initiativen

Hans-Jürgen Wende Vizepräsident beim Oberlandesgericht Brandenburg/Havel, Aufruf zum Schutz der Menschenwürde, Arbeitskreis für Zivilcourage

1996

Lars und John Hirschfeld 13-jährige Schüler aus Berlin, gründeten eine Initiative ”Gemeinsam für Ausländer” mit gleichaltrigen Schülern

Dr. Reiner Stemme Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens in Brandenburg, wohnt in Berlin, schützte eine ausländische Frau in der S-Bahn vor einem angetrunkenen rechten Schläger.

1995

Mehrangis Montazami und Mohamed Dabui Ehepaar aus dem Iran in Berlin lebend, half Übergriffe von Wachschutzmännern gegen ausländische Bürger aufzuklären

Traudel und Eberhard Vorbrodt Ehepaar aus Berlin, langjährige, ehrenamtliche Flüchtlings- und Asylbewerberarbeit

Initiativgruppe gegen Gewalt und Rassismus Velten (Brandenburg) Initiativgruppe auf Anregung der ev. Kirchengemeinde und des Runden Tisches Velten, organisierte Schweigemärsche, Mahnwachen, Jugendwochen

1994

Alexandra Thiele Schülerin aus Königs Wusterhausen, Aktion Courage und Rockkonzert für Toleranz und Demokratie